Gladbach, Augsburg und vor allem München. Alle drei ortsansässige Vereine haben in ihren Städten, unfassbar weit vom jeweiligen Stadtkern, ihre Stadien ins Nichts gepflanzt. Doch dieses Antalya setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Das ganze Stadion (18.000 Zuschauer fassend) ist Teil eines Sportkomplexes, der in der Winterpause von Mannschaften aus ganz Europa als Trainingslager benutzt wird. So einen Sportkomplex ein wenig weiter weg vom Stadtkern zu bauen mag vielleicht auch Sinn haben, um sich ein wenig abzuschirmen und zu konzentrieren, aber doch nicht um Liga-Fußball dort zu spielen. GEHIRRRN! Aus der Stadt fährt man eine Stunde mit dem Auto. ÖPNV (besser gesagt: ÖPFV) existiert nicht. Zu allem Überfluss gibt es keine direkte Straße sondern, sondern sobald die Flutlichtmasten in Sichtweite sind, schlängelt sich die Straße noch locker sieben Kilometer zum Stadion: Vorbei an kleinen Dörfern, Büschen und kleineren Bergen. Sicherlich ein toller Platz um mal ein Picknick zu veranstalten, aber doch nicht um Fußball zu spielen. Verkehrsplaner sehen diese geschlängelte Straße vielleicht als eine Art Entzerrung des Verkehrs an, wer weiß. Das Stadion war für diese Entfernung sogar recht gut ausgelastet. Ich tippe mal auf 13.000 Zuschauer. Offizielle Zahlen wurden aber nirgends gefunden.

Unter der Woche gab es ja den Anschlag der PKK im Südosten der Türkei mit 24 Toten Soldaten und die Vergeltungsschläge der türkischen Armee, die in den Nordirak einmarschierten um dort Rache, an den sich dort versteckenden PKK-Kämpfern, zu nehmen (mindestens 18 Tote). Dementsprechend gab es vor dem Spiel auch das komplette nationale Programm zu bestaunen. Spruchband mit “Die toten Soldaten gaben dem Land mehr Kraft durch ihr vergossenes Blut und wir hoffen, dass ihr in den Himmel aufgestiegen seid.” Türkei-Gesänge des ganzen Stadions (inkl. Gästeblock), Hymne, Antalyaspor-Spieler im roten T-Shirt mit Halbmond aufs Feld kommend und vom ganzen Stadion wurde „orospu çocuğu PKK“ (Huhrensohn PKK) gerufen.

Das war dann auch schon das Interessanteste an dem Abend, der merklich kälter wurde, je weiter das Spiel fortschritt. Das Spiel war nämlich eher mau bis sehr mau. Von daher soll dazu auch nix mehr geschrieben werden. Tore fielen auch nicht, also ab in die Halbzeit. Ich streunerte so ein wenig durch die Gänge dieses Stadions, mit seinen 18.000 Plätzen. Prinzipiell ist das Ding 3-Stöckig gebaut, nur die Gästeblock-Seite hat eine Ebene, stört aber im Gesamtbild eher weniger. Die Hälfte der Hintertortribüne gehört den Gästen, wobei diese komplett eingezäunt sind, inkl. über den Köpfen schwebende Netze. Alles noch nicht soweit in Deutschland. Kommt aber bald!

Die zweite Halbzeit fing an, Gala war eindeutig besser, erspielte sich Chancen, aber keiner warf den Fisch in den Kescher. So blieb es beim 0:0. Interessant noch der ältere Capo-Mensch auf der Geraden, der ständig versuchte, mit dem Hauptfanblock zu kommunizieren und eigentlich auch ständig scheiterte. Genau dieser Fanblock war eigentlich die ganze Zeit am gut Abgehen, auch der Rest des Stadions gut dabei, aber auch nix besonderes eigentlich. UltrAslan auch aktiv über 90 Minuten, aber berauschend war das alles nicht.

Panorama

Dieses nationale Gehabe ist mir zwar zu bieder, aber da ich zufällig in der Türkei war und sich ein paar andere Hannois anmeldeten nahm ich das Länderspiel gegen die Tööörken einfach mal mit. Vorm Spiel mit je ein mal HI und RI und fünf mal Barsinghausen in der Nähe des Taksim-Platz in einer sehr netten, suffigen Kneipe gut die Zeit verbracht. Irgendwann wurde dann auch Mexiko durch die Boxen gejagt, es wurde also Zeit zu gehen. Schwarzmarkt geprüft, Karte für 45 Lira gekauft und ab in die Bude, die nichtmal ausverkauft war. Nicht angemessen eines Spiels, welches für die Türken ein entscheidenes war. Wären sie siegreich gewesen, wäre der zweite Platz in der WM-Quali jetzt aus eigener Kraft möglich gewesen. Wenn es nach der Zeitung XY gehen sollte, wäre das Spiel ausverkauft gewesen, sie titelte nämlich mit der Kampfansage ‘Yol ver Panzer’ (dt.: macht den Weg frei!). Doch das Stadion war nur zu 85% ausgelastet, Stimmung meist nur bei und nach Grosschancen der Deutschen vorhanden, ansonsten Türkiye (dt.:Türkei; mein Gruss geht dabei an Stammleser chRIstoph)-Gesänge und noch ein anderer Gassenhauer, sowie Pfeifkonzerte.

Die drei Treffer der deutschen Elf erzielten drei Bayern-Spieler (Gomez (35. Minute), der hippe Basketball-Schweini (66.) und Müller (86.)) im Alleingang. Doch die Türken erzielten den sehenswertesten Treffer des Tages: Der Anschlusstreffer durch Hakan Balta (79.) zum 2:1.

Das Stadion, die Turk Telekom-Arena, ist ein riesig fetter Klotz. Deutsche Schlachtenbummler waren ca. 2500 vor Ort. Wäre ich Fan dieser ganzen Nationalmannschaftswelle würde ich die Gästeblock-Beflaggung als Gelungen bezeichnen. Hauptsächlich schwarz-rot-gold und die bekannten Nerd-Hopper-Fahnen.

Nach dem Spiel kamen die Spieler ganz seicht zum Gästeblock und verabschiedeten sich. Als dann die Welle vom deutschen Block gefordert wurde haben drei Spieler mitgemacht. Genau das ist was, was mich so dermassen nervt an dieser Nationalmannschaft. Diese Spieler sind so weit von mir enfernt wie Wolfsburg von einer ICE-Haltestelle, dass ich die einfach nicht ‘gut’ finden kann. Es kann einfach keine Bindung aufgebaut werden. (Zu) Gut bezahlte Spieler, deren Eitelkeiten und deren Werte (wir machen Sport, wissen, dass z.B. Nutella die Gesellschaft und deren Kinder fetter macht, machen aber trotzdem Werbung für diese Scheisse) ich nicht teilen kann und auch wahrscheinlich nie werde. Zumal ich diese ‘deutsche Fanszene’ auch eher wie aufgesetzt-farbenfrohe, yuppie-Deutsche wahrnehme, d1e bemalt zum Spiel erscheint und mit denen ich nie und nimmer ein Spiel im TV zusammen schauen würde. Dazu dann noch dieser seltsamme Mix aus den verschiedenen Fanszene der Republik. Am Wochenende Bremen scheisse finden und dann unter der Woche ‘Deutschland’-Rufe zusammen anstimmen. Nnneeee! 0ch möchte meine Fanszene selber mitgestalten, sie in einem sich wöchentlich wiederholenden Rythmus spüren, wahrnehmen was sich in ihr bewegt, ihre Bedürfnisse aufnehmen und ihre Mitglieder mit anstuppsen um sie vielleicht auf andere, alternativere Handlungsweisen aufmerkasem zu machen. Ich möchte einfach mitgestalten, das ist bei einer grossen deutschen Fanszene aus meiner Sicht nicht möglich. Daher: Hannover!

 

Samstag, 26.02.2011, 6. Spieltag Division Profesional. Estadio Defensores del Chaco Asunción. 26.196 Zuschauer.

Da die RSH ne Akademiker-Crew ist, verschlug es mich der Forschung wegen mal wieder nach Paraguay. Dass der superclasico de Paraguay während  meiner Forschungsreise stattfindet kommt mir natürlich eher gelegen. Dale O! Olimpia ist Tabellenerster in der Copa Tigo, so der derzeitige Name der PY-Bundesliga, und spielt wohl einen ganz guten Ball, sodass sie die bisherigen 5 Spiele alle gewonnen haben. Zum Beispiel Luque letzte Woche 5:0 abgefiedelt.

Da der beste deutsche Verein weltweit im Moment kerzengerade auf Europa zusteuert musste natürlich das erste Derby am heutigen Samstag in Hamburg gewonnen werden. Kein Problem für die roten Recken. 1:0 beim Kuuuult-Klub St. Pauli! Geil! Aber das nur für das Protokoll und zum Freuen aus der Ferne. Geil! iporãiterei!

Offiziellen Zahlen zufolge waren heute 26.000 hinchas im „Estadio Defensores del Chaco“. Ich denke, 13.000 cerristas und 13.000 olimpistas. Also eigentlich gute clasico-Zutaten. Kurz vorm Anpfiff rein ins weite Rund und Intro anschauen. Geil! Endlich mal ne andere Blockfahne bei LBO („Grande hay uno solo“; „Es gibt nur einen Großen“). In der Kurve dazu noch Luftballons, Konfetti, Schwenken und 1 - 2 rote Bengalen auf den Sitzplätzen. Also alles was das Herz begehrt. Bei Cerro gabs blaue und rote Luftballons, Rauch (auch auf den Sitzplätzen) in den gleichen Farben und ganz guter Akustik. Also, das Spiel hat seinen würdigen bunten Rahmen bekommen.Das Spiel sollte dem Intro in den ersten Minuten gerecht werden. In der 2. Minute gings schon mit Gelb (für Cerro) los, in der 3. hatte La O die erste gute Torchance und nach 10 Minuten wurden drei Fouls von hinten verzeichnet. In der 12. ein mieser 25-Meter-Freistoß aus von Olimpia an die Latte.  Ab dem Lattentreffer dann Langeweile bis zur 32. Minute. Angriff Cerro, Olimpia in der Abwehr wie Hannover 2009/2010, Angriff doch irgendwie abgeblockt und danach im Umschalten wie 2010/2011. Konter-Zack-Bums, 1:0 für die Guten! Das brachte Pfeffer in die Partie, Cerro jetzt mit dem Willen zum Ausgleich und einer guten Chance in der 36. Das sollte es aber bleiben in den ersten 45. Minuten, die mit der Bilanz von 4-5 gelben Karten ganz nett verbracht wurden.In der Pause dann wieder Unmengen von Werbe-Mist im Stadion. Der Höhepunkt waren zwei Gruppen von Mädels. Eine Gruppe mit einer übergroßen Scheck-Karte von Cerro, die andere mit ner Karte von Olimpia. Mit der gleichen Gestaltung, nur andere Farben und Vereinslogos. Was für ein Stumpfsinn! Ansonsten war nix los in der Pause. Deswegen geht’s auch frisch und munter in die letzten 45 Minuten. Cerro mit zwei dicken Chancen aus der Kabine, einmal sogar den Torwart überlistet und nur am letzten Mann gescheitert. 10 Minuten nach Wiederbeginn dann der Ausgleich für Cerro (55.). Kein Plan wie der zu Stand kam, aber der Torjubel war mies. Wie die cerristas nach unten gestürmt sind. Junge, Junge, dass bei dieser Latino-Jubelei nicht massenhaft Leute hinabstürzen ist ein Wunder. In Folge entwickelte sich ein exzellentes Spiel. Immer spannend, Cerro offensiver als Olimpia. La O hinten mit drei Verteidigern, Cerro  mit zwei Stürmern. Olimpia mit einem Stürmer und Cerro mit 3 Verteidigern. Doch Olimpia netzte ein. In der 83. Minute sehenswerte Flanke von rechts in den 5-Meter-Raum und der Olimpista netzt zum Siegtreffer ein. YEAH! Danach spielte der Cerro-Torwart nicht mehr im Tor, sondern im Feld, was noch einen olimpischen Lattentreffer aus 35 Metern zur Folge hatte. Sei es drum! Cerro fährt mit 0 Punkten zurück in ihr Barrio Obrero (Arbeiterviertel) und Olimpia feiert den sechsten Sieg im sechsten Spiel.Kurz vor Spielschluss gab es noch das lustigste Spruchband was ich jemals in Paraguay gesehen habe. Kurz zum Hintergrund: Beim Spiel Cerro Porteño – 12 de Octubre am 27.06.2008 waren ganze 25 Zuschauer anwesend. Deswegen beschimpfen die Olimpistas die Cerristas mit „25 pagantes“ („25 Zuschauer).   Soweit, so verständlich. Kurz vor Spielschluss gab es auf Olimpia-Seite noch das Spruchband „MIREN el lado positivo…Hoy Fueron 26 pagantes!!!“ ( „Seht es von der positiven Seite…Heute seid ihr 26 gewesen!!!“) PS: Kleine Randnotiz. Der paraguayische Fußball hat mal wieder mit Gewalt zu kämpfen (welch ein Wortspiel!) 2 Cerristas sind durch die Hände zweier Olimpistas ermordet worden. Einfach mal mit Pistolen zu denen gefahren und abgeknallt. Zack, Bums. So sehr der Stadiongang hier ein Erlebnis ist. So sehr ich den Fußball und die Leute hier mag. Es gibt so manche Vorteile gegenüber Deutschland. Deutschland hat einen ganz großen Vorteil. Die Leute bringen sich dort nicht für einen Fußballverein um.  Ich hoffe das bleibt so. Wer sich weiter zu anderen Morden informieren möchte, sollte hier klicken:  http://www.abc.com.py/nota/inchas-de-futbol-matan-a-inocente-que-viaja-en-el-mismo-omnibus/     

 

Sonntag, 20.02.2011, 9. Spieltag Paulista A1. Estádio Municipal Paulo Machado de Carvalho São Paulo. 19.448 Zuschauer.

Wenn ihr einmal die Chance habt nach São Paulo zu kommen. Nehmt sie bitte nicht wahr! Die Stadt ist dreckiger als das Loch aus dem Mainz-Witz und hat nicht mal architektonisch was zu bieten. Dafür gibt’s Fußball und das nicht zu knapp.
Heute stand Corinthians Paulista F.C. gegen FC Santos an. Santos liegt ca. 60 Kilometer entfernt von der Stadt, die die größte deutsche Industriestadt Brasiliens ist. Hier gibt’s einfach total viel Deutsche mit Migrationshintergrund. Hängen in der letzten Busreihe ab und hören sich über ihre Handyboxen Bach an. Verrückte Welt!
Da ich grad ein Praktikum in einem kleinen Dorf zum Bedingungslosen Grundeinkommen mache, habe ich die Chance wahrgenommen um das Spiel mitzunehmen. Brasilien ist der bislang einzige Staat auf der Erde, der das verfassungsmäßige Recht auf ein Bedingungsloses Grundeinkommen hat, seit 2004. Wie viele Zahlungen staatlicherseits gab es in diesen 7 Jahren? Genau: Null! Deswegen bin ich hier und arbeite hier mit.
Schluss jetze, mit linker Hetze! Manchmal raffe ich diesen Kontinent nicht. Es ist alles sooo locker und man kann so viel Blödsinn machen, und dann kacken die sich ein, weil man in den Pressebereich in kurzen Hosen will? Man, man, man,… Karten gab es auch keine mehr auf dem offiziellen Wege zu erstehen und die VIP-Karten, die mir angeboten wurden, waren mir mit über 100€ dann doch zu teuer. Irgendwann war ich doch drin im Stadion. Das selbige ist ganz nett, hat schon 70 Jahre auf dem Buckel und natürlich, latino-mäßig, an allen Ecken und Enden durch Zäune gesichert. Der erste ganz gute Schmunzler schlich in der 15. Minute über meine Lippen, als drei fliegende Verkäufer sich über den Presseeingang unerlaubt, wohl ohne Verkaufslizenz, zutritt verschafften und mit ihren Kühlboxen über die Zäune kletterten. Die waren fixer als fix und so hatten die Sicherheitsleute keine Chance mehr. So konnten sie im Stadion bleiben, ihre Sachen verkaufen und ihren Lebensunterhalt sichern. Würde es die Zahlung für das Bedingungslose Grundeinkommen geben wäre für ihr Einkommen gesorgt und sie müssten so einen Scheiß nicht machen ;-)

Gespielt wurde auch und das überwiegend von Corinthians. Die 20. Minute sollte das 1:0 bringen, welches durch einen Astreinen 20-Meter-Freistoß erzielt wurde. Richtig geil. Kurz vor der Pause dann das 1:1, wobei ich da nicht die geringste Ahnung habe wie das fiel. Verrückt, 24 Absätze zum Drumherum und 3 vom Spiel. Aber so ist das Leben und der Spielbericht eines Hoppers. In der Halbzeit gabs dann Waffeln, die günstigen natürlich.

Wie immer zur Halbzeit gibt’s auch hier einen Rundblick durchs Stadion. Die Torcida Jovem aus Santos war mit ca. 1200 Mann angereist, alle (bis auf die fußball-üblichen OKFs) in weiß gekleidet, in einem Block gepresst und die erste 45er wurde durchgesungen. Ganz gut also. Leider gab es nur vier Zaunfahnen, die große der Hauptgruppe, zwei kleinere und eine Mini-Blockfahne. Die Stimmung der Heimfans im Stadion ist soweit ganz gut. Jedoch machen da zu viele Gruppen ihre eigenen Süppchen. Ein wenig mehr Geschlossenheit (ich meine keine Gleichschaltung) würde sicher noch mehr Lautstärke bringen. Das einzig Gute an den vielen Köchen ist, dass alle eine oder mehrere Blockfahnen haben und dann 2-3 von diesen Lappen im Stadion gleichzeitig zu sehen sind. In den 15 uninteressanten Minuten sollte eigentlich eins dieser total verrückten Halbzeitspiele dargeboten werden. Dies fiel leider Gottes ins Wasser, da sich der Obermacher aller Menschen, Tiere und Pflanzen dafür entschieden hat die Pforten zu öffnen und einen Regenguss zu schicken, der mich an das Pokalspiel gegen Jena Ende der 90er Jahre erinnern ließ. Dazu noch nette Blitzlichter inkl. miese Beats aus Richtung Himmel. Da Ronaldo, o fenômeno, unter der Woche seinen Rücktritt verkündet hat (wegen Schilddrüsenfunktionen, die ihn haben dicker werden lassen) wurde er im Stadion durch mehrere Spruchbänder und (Zaun)fahnen gehuldigt, z.B. Für immer o fenômeno. Bis zur Unendlichkeit in unseren Herzen). Aber ziemlich gut, dass er auf seinen Körper hört und nun endlich mit dieser Geschichte an die Öffentlichkeit tritt. Solche Menschen braucht die Welt. Zu seinen Defiziten stehen und Stellung beziehen. Grad in Hannover weiß man ja um diese Problematik.
Der Regen wurde immer intensiver und das Stadion tobte immer mehr. Die Schiris pfiffen trotz Gewitters an (sowas ging ja auch schonmal des Öfteren in die Hose) und Santos war das bessere Team, wobei auch nicht wirklich torgefährlich. Leider wurde das 2:1 für Corinthians durch nen geschenkten Foulelfmeter erzielt, was die Spannung ein wenig abebben ließ. Santso drückte auf den Ausgleich, dieser kam aber nicht, sondern nach einem wunderbaren Konter wurde das 3:1 per sehenswerten Lupfer erzielt. 3:1, der Käse war gegessen und es ging wieder nach Hause. Durch die hässlichste Stadt, die ich je gesehen habe. Gegen São Paulo ist Wolfsburg Hannover.

 

Das Erlernen der portugiesischen Sprache hat mich doch tatsächlich für ein paar Tage nach Porto geschickt. Da es hier zufällig auch Fußball gab, begab ich mich doch mal ins Estádio do Dragão. Das zur EM 2004 gebaute Stadion fasst 51.000 Zuschauer, ist ein riesig-fetter Betonklotz und trotz der fehlenden Tartan-Bahn ist es durch die flachgezogenen Ränge eher langläufig. Das Rumgekicke im Stadion sollte heute im Rahmen der 1. portugiesischen Liga zwischen dem FC Porto und Vitória Setúbal sein. Einen großen Gästeanhang durfte ich also nicht erwarten, sodass mein Fokus heute eher auf dem Spiel und den Super Dragões, den sogenannten Fans, war. Der FC Porto hat noch eine andere organisierte Fangruppe, die Colectivo Ultras 95, die aber nicht so groß ist.

Zum Sportlichen: Der FC Porto ist Erster der Liga und tritt gegen den 13. der 16er-Liga  an. Mit zehn gewonnenen und zwei unentschieden gespielten Partien ist er somit unangefochtener Spitzenreiter acht Punkte vor Benfica Lissabon. Das Spiel verlief recht ordentlich, Porto war in der ersten Hälfte ziemlich überlegen und drückte auf das Tor des Gegners. Dieser jedoch hielt das eigene Tor durch gute Abwehrarbeit jedoch jungfräulich. Der Gast aus Setúbal hatte keine nennenswerten Aktionen im ersten Durchgang. Durch Rückstand gerieten sie durch einen ungerechtfertigten Foulelfmeter in der 44 Minute, den Hulk (der sieht so aus, wie er heißt) verwandelte.

Pause, Rundblick im Stadion!

Da Schalke am nächsten Tag bei Benfica spielte, waren ca. 10 Schalker im Stadion, die dann auch den geilsten Club der Welt sprachgewandt unterstützt haben. Sachdienliche Hinweise zur Ergreifung der Vollidioten nimmt jede Polizeidienststelle entgegen. Mein nicht fußballinteressierter Couchsurfer war mir zum Spiel gefolgt und daddelte bislang satte 45 Minuten am Stück auf seinem Handy. Grandios! Das Geld für die Karte wäre besser angelegt, hätte er es den Schalkern gegeben, damit sie sich weg machen. Unterhalb der Schalker waren die 8 Fans der Gastmannschaft untergebracht, welche mit einem 2,5:1- Verhältnis von Schwenkfahne zu Person absolut hervorstachen.

Zweite Halbzeit und nun wurde das Erlebte aus der ersten Halbzeit umgedreht. Setúbal drückte, Porto pfropfte. Das war teilweise richtig gut, was die Männer von der Península de Setúbal da entgegenbrachten. Fast wäre sogar noch der Ausgleichstreffer gefallen, denn in der 89. Minute gab es einen Elfmeter für die Jungs in grün-weiß, und das auch noch zu Recht! Die 18.912 Zuschauer in blau-weiß des FC Porto fanden das allerdings nicht und ein gellendes Pfeifkonzert setzte ein. Der Elfmeter ging rein, da der Schütze aber vor dem Schuss kurz anhielt, wurde der Schuss wiederholt, und segelte zwei Meter übers Tor. Das Stadion war am Toben!

Ein Fazit des portugiesischen Fußballs mag ich mir nicht erlauben, aber ich denke, dass ich das ein wenig mit dem Gekicke in Paraguay vergleichen kann. Es gibt zwei bis vier Mannschaften die oben mitspielen können, der Rest ist nicht so toll. Werbung gibt es, wie in PY, nur von ein paar Unternehmen, mit dem dann das ganze Stadion zugepflastert ist. Die Eintrittspreise gehen bei 10 € los. Insgesamt ganz nett, mehr aber auch nicht.

Samstag, 08.05.2010. Ruhrstadion Bochum. 30.748 Zuschauer.

Für weitere Bilder aus Bochum einfach auf das Bild klicken.

Boca - La Bonbonera. Mit La Doce.
Ist da nicht irgendwie jeder Mal scharf drauf? Hab sie ja damals in der Copa Libertadores bei Guarani Asuncion im Stadion von Olimpia Asunción schon sehen duerfen und alleine der Einlauf von La Doce war schon nett anzusehen. Die Hinchada laesst in der Mitte der Tribuene eine Luecke, in die La Doce dann kurz vorm Spiel mit wehenden Fahnen einlaeuft.

Bin am Dienstag noch schoen bei den Wasserfaellen von Iguazu gewesen, kann man defintiv mal machen. Die argentinische Seite find ich netter, ist aber auch ne Ecke teurer als die der Brasilianer.

Am Spieltag dann so gegen 12 in BsAs angekommen und erstmal geschaut was in der Stadt so geht wegen Schlafplaetzen usw.

Da ich kein Hostel oder so hatte hab ich einen Teil meines Gepaecks am Bus-Terminal gelassen und bin dann gleich nach La Boca zum Kartenmarkt.

Auf dem Weg zum Bus noch nen aelteren Typen mit Trikot angesprochen ob er auch zum Spiel will. So sindwa dann ein wenig ins Gespraech gekommen und er hat mir dann auch seine Handynummer gegeben, falls ich Hilfe brauche.

HatDie Hilfe sah dann so aus, dass er mir dann empfohlen hat, nicht auf dem Schwarzmarkt zu kaufen, da eigentlich nur an Socios, also Mitglieder, verkauft wurde und die angebotenen Karten wohl Faelschungen sind.

Da es aber auch keine Karten mehr in der guenstigsten Kategorie zu kaufen gab, musste also der 180 Pesos-Preis bezahlt werden. Gut, ist ja nun auch nur einmal im Lebbe und in der Heimat bezahlt man auch mal um die 30 Euro fuer ne Karte.

Karte gekauft und hab dann noch versucht Schlafplaetze zu bekommen. Hat aber alles nichts genutzt…

Dann nach einer Zeit wieder zur Bonbonera und saemtliche Strassen waren so gesperrt, dass es nur einige Eingaenge ins Stadion gab. Das Stadionumfeld an sich ist uebrigens recht nett. Am Stadion selber sind Graffitis gesprueht, die die alte Arbeiterviertel-Vergangenheit von dem Stadtviertel La Boca in Szene setzen. Vor dem Spiel noch zwei Oesterreicher identifiziert, die sich auch die teuren Karten gekauft haben. Scheiss Europaer!

Irgendwann dann rein in die blau-gelbe Hoelle und mir einen schoenen Platz zum Fotos machen gesucht. Dort blieb ich dann auch gleich sitzen. Gut, dass mich keiner nach Karten gefragt hat. Handelte sich naemlich um einen Block, der irgendwie alten Spielern und Funktionaeren vorbehalten war. Also, blos nix mit dem Poebel zu tun haben.

Ne Stunde vor Spielbeginn setze dann leichter Regen ein und dieser wurde bis zum Schlusspfiff auch nicht weniger, sondern eher mehr.

Die Hinchada von Lanús, mit der Barra “La Barra 14″, mit ca. 800 Leuten am Start.

20 Minuten vor Spielbeginn schon ganz gut Bewegung in der Boca-Kurve.

5 Minuten vor Anpfiff kommen die Mitglieder des 12. Spielers dann in den Block. Mit wehenden Fahnen in fuerchterlichen Farben. Dann setzt La Doce den Dirigierstab an und zaubert gar ein wohlklingendes Konzert. Wirklich gut. Intro bestand aus nichts ausser Gesang, ein paar Papierschnipsel und sonst nur Fahnen. Erwaehnenswert noch zwei Fahnen.

Einmal eine Fahne die gegen das Vergessen der Falklandinseln gerichtet wurde (ist eh ueberall oeffentlich, dass die Inseln zu Argentinien gehoeren) und eine Fahne direkt bei der Barra. “nunca hicimos amistades” (”Nie haben wir Freundschaften geschlossen” oder vielleicht besser ausgedrueckt “Fickt euch alle!”).

Das Spiel nahm von vornerein recht nett an Fahrt auf. Boca aber mehr oder weniger Spielbestimmend, so resultiert dann auch das 1:0 in der 12.

Regen setzte nun immer mehr ein und durch das Mittelfeld wurde von nun an kaum noch gespielt.

Abseitstor Lanús und endlich fing die Hinchada dann auch mal an am Rad zu drehen.

Lanús dann kurz vor der Pause mit einem zaehlbaren Erfolg zum 1:1. Absolut daemlicher Ballverlust von Boca an der eigenen Torauslinie, kurze Flanke in den Strafraum und drin ist das Runde.
Halbzeit, 1:1. Da ich noch immer in diesem Block sass, wurde ich natuerlich auch von Seitens Boca zum Schlemmen eingeladen. Fettige Pizza und eine Limonade aus den U.S.A. Ich hab wohl noch nie soviel Fett in so kurzer Zeit zu mir genommen. Irgendwas muss ja fuer 180 Pesos auch drin sein, und wenns nur das Essen ist.

Zum Halbzeitpfiff dann wieder rein in die Bude und quasi mit dem 2:1 fuer Boca die Stufen heraufgestiegen. Schoener Doppelpass vor dem und im 16er, Querpass in den 5er und Martin Palermo netzte locker ein.

Dieser Argentinier Palermo ist uebrigens recht interessant, hat er in einem Laenderspiel gegen Kolumbien mal 3 Elfmeter vergeigt und im Jahr 2009 gegen Velez Sarsfield einen Kopfball aus knappen 40 Metern ins gegnerische Tor versenkt. Zumal er mit 215 Toren in 350 Partien eine recht erfolgreiche Quote von 0,61 Toren pro Spiel aufweisen kann.

Ist leider schon 37. Schade, dass Europa nie ein guter Ort fuer ihn war, sonst waer er sicherlich nochmal von Blau-Gelb nach Schwarz-Weiss-Gruen gewechselt.

In der 52. dann Getuemmel im Boca-16er, drei bis vier Mal dann auf den Kasten von Lanús geschossen, und immer wieder ein Bein oder die Hand des Torwarts dazwischen.

Ab da dann das ganze Stadion ganz gut am abrasten.

In der Folge ging fast nichts mehr durchs Mittelfeld. Der Ball wurde quasi nur noch nach vorne geschlagen bzw. ueber die Fluegel gespielt.

Das 3:1 dann durch Erbes in der 55. Minute wurde dann vom Stadion ganz gut abgefeiert und auch der Ein oder Andere Pogo wurde zelebriert.

Das Spiel von nun an Recht spannend, doch Boca dann am Ende mit den drei Punkten. Schon verdient.

Da ich keinen Schlafplatz hatte und sich eine Suche nach einer Herberge aufgrund der fortgeschrittenen zeit (um 12 bin ich aus dem Stadion raus) nicht mehr gelohnt haette, bin ich dann wieder zum Terminal und hab da einfach mal die Nacht vergammelt.
Ein Besuch in La Bonbonera ist schon recht empfehlenswert. Der Preis fuer die teuerste Karte liegt so bei 200 Pesos, was fuer einen einmaligen Besuch irgendwie okay ist. Die Farben sind halt Scheisse, das andere ist gut. Ich war froh, dass ich bei einem normalen Ligaspiel da war, gegen River haette mich sicherlich vieles genervt.

Heute ging es zu dem letzten Stadion, welches mir in meiner aktuellen Stadionliste von Asunción noch fehlte – zum Stadion von Guarani Asunción. Im Moment hat der Fussball vor Ort mit massiven Gewaltproblemen zu kaempfen. Die Barras von Cerro Porteño, Guarani, Luque und Olimpia Asunción bekaempfen sich gegenseitig – auch vor Toetung wird nicht zurueckgeschreckt. Und das Ganze findet gar nicht mal mehr im Stadion statt, sondern bei einfachen Feiern. Alles absolut sinnlos.

So haette man vielleicht heute im Stadion ein gewalttaetiges Aufeinandertreffen der beiden Barras erwarten koennen, was aber – schonmal vorwegnehmend – nicht stattfand. Vor allem, da das Stadion des Gastgebers so konstruiert ist, dass Heim- und Gastanhang nur von einem 2-Meter-Zaun und Polizei voneinander getrennt sind. Die Hinchada von Guarani hat auf ihrer Haupt-Fahne “No a la Violencia”, was ich ihnen so auch fast abnehme. Als ich letzte Woche, nach einer meiner erfolgreich verlaufenden Abschlussklausuren, von der Uni nach Hause fuhr stiegen Teile der Guarani-Chicos in den Bus. Die Jungs waren absolut friedlich, haben sich zwar – so wie sich das fast gehoert – etwas asozial benommen und rumgegroehlt, aber im Grossen und Ganzen war das schon absolut okay.Da es sich in Paraguay ziemt etwas spaeter zu kommen, bin ich erst 2 – 3 Minuten nach Anpfiff in den Block gekommen. Ein Feuerwerk oder aehnliches gab es aber nicht – also nichts verpasst, sehr gut!
Guarani musste unbedingt gewinnen, da es sonst fast keine Moeglichkeit mehr haette oben an dem Spitzentrio Libertad, Nacional und Olimpia dranzubleiben. Jedoch wurden diese Hoffnungen ab Minute 25 durch einen gewaltigen Schuss aus 30 Metern erstmal geschwaecht. Schoene Bogenlampe ueber den Torwart. 1:0 fuer den Gast aus Luque. In der Folge dann Guarani klar am Druecker, was sich aber nicht auf der nicht vorhandenen Anzeigetafel bemerkbar machte.Mein Lieblingsspieler von Guarani mit der Nummer 10 ( DAS waere einer fuer 96, ich sags euch!) wirbelte mal wieder durchs Mittelfeld und leitete eine Chance nach der anderen fuer die schwarz-gelben ein. Half aber alles nichos, Die Luqueños durften beim Pausenterere ihre 1:0-Fuehrung geniessen.

Da die Getraenkepreise im Stadion mit 5.000 Guaranies (knappe 0,70 €) recht ordentlich waren und es auch nur den Coca Cola-Mist gab, suchte ich nach Alternativen in der Halbzeitpause. Als ich mich so herumfragte, gab mir ein Ordner den Tipp, es doch mal ausserhalb des Stadions zu probieren. Dort gibt es einen kleinen Imbiss. Gesagt, getan. Ich raus aus dem Stadion, Wasser gekauft und ohne Probleme wieder rein. So soll das sein. Sehr gastfreundlich! Segundo tiempo – zweite Halbzeit – und das gleiche Bild wurde praesentiert. Guarani am Druecker, jedoch kam dabei wieder nichos zaehlbares herraus. Nachdem der Torwart der blau-gelben Luqueños nun immer wieder mit Zeitschinderei auffiel, erhielt er vom Mann in Schwarz eine Karte in Gelb. Nachdem er nun in der Folgezeit der Buh-Mann fuer das “ganze” Stadion war, wurde er auch immer wieder mit kleinen Plastikflaschen beschmissen. Jeder deutsche Schiri haette bei den Geschehnissen sicher das Spiel kurz unterbrochen – so aber nicht der jetzige Spielleiter. Selbst als der Torwart aus Luque mit einer aufgesammelten Flasche ankam, schickte der Schiri den Torwart schoen wieder in den 16er.
Das 1:1 fuer Guarani war dann die logische Konsequenz aus den vielen, vielen Chancen fuer die Indigenen. Schoener strammer Schuss aus knappen 15 Metern, halb-rechte Position, Innenpfosten, rein. Gegenseitige Liebesbekundungen zwischen den Fanlagern gab es dann auch in Formen von Flaschenwuerfen. Die Luqueños hingen ihren Lappen vom Zaun und verpissten sich aus dem Stadion. Wieso? Siehe unten! Guarani, angetreibt vom ganzen Stadion, dann immer besser und dann auch mit dem Siegtreffer kurz vor Schlusspfiff. Wieso es der Torwart aus Luque auf einmal recht schnell haben wollte. Keine Ahnung?!
Grosse Teile der Besucher aus Luque zogen es uebrigens vor, ab dem 1:1 das Spiel nicht mehr zu besuchen. Olimpia hat bei sich im Manuel Ferreira-Stadion gespielt und das Spiel endete vor dem Schlusspfiff bei Guarani – Luque. Da die Anhaenger von “La O” auch im Gebiet um das Stadion von Guarani wohnen gab es also eine kleine Strassenschlacht zwischen Luqueños und Olimpistas.
Das Spiel lief nun noch zu Ende, Guarani siegt mit 2:1. Manche Spieler – angestifftet von einem Fan – hielten noch ein Transparent zu Ehren eines – durch Cerristas – ermordeten Fans hoch.
Ich gammelte in dem Gebiet rund um das Stadion noch ein wenig herum und sah die letzten Ueberreste der Barra von Luque – schoen alle von der Polizei zusammengefechert vor einem Kommisariat sitzend. Die Busse nach Luque wollten natuerlich nicht halten um die Chaoten einzusammeln. Aber da die Polizei sicherlich so viel Bock wie die Busfahrer hatte, die Chaoten zu behalten , wurde dann doch ein Bus gekapert. Gute Heimreise!

Da ich in Altos (ca. 50 Km von Asunción) ehrenamtlich am Start bin, einige amigos habe und der sonntaegliche Spielort zwischen Asunción und Altos liegt, hatte ich mich dafuer entschieden schon am Samstag nach Altos zu fahren. Arbeiten, cerveza-Action und Fussball im Herzen Suedamerikas verbinden. Was kann es schoeneres geben?!

Nachdem am Samstag aber schon recht frueh Schluss war mit die Feierei, ging es ab Altos recht ausgeruht mit Bekannten nach Itagua (ca. 30 Km von Asunción), zum heutigen Ort der Auseinandersetzung.

Am Stadion abgesetzt worden und ab ging es zu einem Eingang, an dem ich meine Tereré-Thermo mit reinbekomme. Bei 35° Celsius auch wirklich notwendig das koestliche Gesoeff immer griffbereit zu haben. Habe es bei drei Eingaengen probiert, ging aber alles nichts. Irgendwie raffe ich das Land nicht. Sooooowas von locker, aber sich bei so was immer anstellen wie nix gutes. Eine ziemlich hierarchische Abstufung gemischt mit Gleichgueltigkeit gegenueber demjenigen der was moechte.

Zumal im Stadion auch jeder moegliche Scheiss verkauft wird und auch kaum jemand auf die Idee kommen wird seine heilige Thermo auf den Rasen zu schmeissen. Was solls. Termo und Guampa am Stadion im Gebuesch positioniert und ab gings ins Innere. Welches heute, laut Presse, mit 3000 Leuten gefuellt war. Wieviel Leute sich da immer so reinmogeln will ich gar nicht wissen. Sicher waren 5000 in der Bude drin (hoechste Zuschauerzahl an dem Spieltag), welche auch sehr, sehr nett anzuschauen ist. Die Naehe der kleinen Tribuenen koennte man in Deutschland vielleicht mit Babelsberg (Stand: 01/02) vergleichen, die eine Tribuene ist aber hoeher angesetzt. Und eine fehlt, gibt also nur drei Triebuenen.

Olimpia musste heute unbedingt gewinnen um den Abstand zu den anderen 3 fuehrenden Vereinen nicht zu verlieren. Libertad, Guarani und das sehr lange Zeit mit grossem Abstand fuehrende Nacional Asunción. In Paraguay heisst derjenige, der die Tabelle anfuehrt „puntero“, das war vor dem Spieltag Libertad. Der Letztplatzierte heisst in Paraguay „colero“, abgeleitet von dem (hauptsaechlich in PY verwendeten) Wort cola (=„Arsch“). Also der, der am Arsch der Tabelle steht.

Eben dieser Arsch war heute 12 de Octubre und musste sich gegen einen der populaersten Vereine Paraguays durchsetzen. Was zunaechst aber gar nicht so gut gelingt, denn Olimpia hat ganz gut Power gemacht (ihr wisst schon, wie die Borussenfront damals…).
Bis zur 40. Minute immer das gleiche Bild: Olimpia mit Chancen, diese wurden aber vergeben. Ab dieser Minute uebernahm das Chancenvergeben der 12. Oktkober. Drei richtig dicke, zwei Mal sehr knapp neben dem Pfosten und einmal gegen die Latte. In Minute 45 dann aber noch mal langer Ball nach vorne vor das Olimpia-Tor. Ball wurde aber vom Abwehrspieler unterlaufen und der wartende Spieler in weiss-blau konnte gemuetlich den Ball per Kopf in seinem Bestimmungsort unterbringen.

Halbzeit. Heute waren im Stadion richtig viele „vendedores ambulantes“, mobile Verkaeufer, die allen moeglichen Scheiss verkaufen wollten. Jeder moechte ja seinen Anteil haben, wenn sich ein grosser Club mal in das finanzaermere Umland verirrt. Da Kinderarbeit im Land der Sonne sehr oeffentlich ausgeuebt wird, waren dementsprechend auch viele chicos und chicas am Verkaufen.
Ein kleine Uebersicht, was so alles verkauft wird: Tereré, Chipas, Trikots und Muetzen, suesse Spezialitaeten, Troeten und blinkende sinnlose Palmen aus Gummi. Wenn ich mal eine Kaufempfehlung aussprechen darf: —–. Kauft bei den Leuten bloss nix. Die Chiperos haben vielleicht noch Pipi anne Haende von der letzten Pisserei und Kinderarbeit zu unterstuetzen ist auch eher nicht soooo cool. „Sozial ist, was Arbeit schafft“, ist dann doch eher nicht global anwendbar, wa?!

Halbzeit zwei begann mit zwei richtig fiesen Fouls. Wie die Olimpistas die beiden Gegner umgetreten haben. Urgs. Gab aber auch kein Gelb. Olimpia wieder besser in der Zwoten und mit den besseren Chancen. So ging das die gesamten 45 Minuten, doch half alles nichts. Die 3 Punkte blieben beim Gastgeber. „La Barra de la „O““ ueber 90 Minuten mit ganz netter Unterstuetzung. Bei bekannten Liedern auch das ganze Stadion am singen. Pyro gabs nicht. Die Kontrollen am Eingang waren aber auch richtig streng. Das ganze spielt sich immer nach dem gleichen Muster ab. Die Barra geht durch ein Spalier von Polizisten, muessen das Trikot hochheben, sich an die Eier packen lassen, Muetze hochheben usw. Hab ich mir diesmal angeschaut als ich nach einem Eingang fuer mich und meine Thermo gesucht habe.

Apropos, meine Thermo war nach dem Spiel noch da. Das war aber auch noetig, bei der Hitze. Gruesse in die kalte Heimat.